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Destiny 2 macht aus strahlenden Legenden doofe Marken-Sammler

Destiny 2 macht aus strahlenden Legenden doofe Marken-Sammler

The Token King

Destiny 2 definiert mit den Token das Loot-System neu. Sie dienen als Hauptquelle für die Beute im Spiel. Ist das Fluch oder Segen? Wir gehen der Sache auf den Grund!

Bungie hat mit Destiny 2 die Art, wie wir Loot verdienen, verändert. In Destiny 1 sorgten hauptsächlich Zufalls-Drops nach Aktivitäten oder gezielte Käufe mit legendären Marken für die fette Beute.

Destiny 2 macht in dieser Hinsicht alles anders. Zufällige Drops sind seltener (oder wie im Eisenbanner nicht existent), dafür verdienen die Hüter Token, die dann bei den Händlern und Fraktionen gegen zufällige Beute eingetauscht werden können.

Die Community ist verärgert, stellt das Token System doch mitunter die einzige Möglichkeit dar, überhaupt Loot zu bekommen. Wenn nun in wirklich jeder Aktivität die Token die prominenteste Rolle einnehmen, kommt Langeweile auf.

In der Community hat sich schon die Bezeichnung “The Token King” breit gemacht.

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Lest in diesem Artikel, warum ich das Token System trotzdem für eine sinnvolle Neuerung halte, das lediglich Anpassungen bedarf.

Spieler mögen das Token System nicht

Wie wichtig Token in Destiny 2 werden würden, offenbarte sich erst langsam und in 3 Schritten.

  • Es gab so gut wie keine zufälligen Drops nach gemeisterten Raid-Phasen im Leviathan-Raid, sondern Loot gegen Token, und das erst nach dem ersten erfolgreichen Abschluss des Raids. Da die Token auch keinen Loot springen ließen, der das Power-Level erhöhte, war die Enttäuschung groß.
  • Als die Token auch in den Prüfungen der Neun sowie im Eisenbanner Einzug hielten, war die Community endgültig bedient. Immerhin hatte die Botin der Prüfungen der Neun auch Beute im Gepäck, die sich an der Anzahl der Siege orientierte.
  • Dies fehlt beim Eisenbanner komplett. Tatsächlich könnt Ihr die Eisenbanner-Ausrüstung ausschließlich über die Token verdienen. Es gibt keine zufälligen Drops nach den einzelnen Matches mehr. Vielen Spielern nimmt das den Reiz am Spiel, es gibt keine Überraschungen mehr. Das über Token verdienter Loot keine Power-Level-Vorteile bietet, setzt dem ganzen die Krone auf.

Rabattmarken sammeln statt epischen Loot erkämpfen

Der bekannte Streamer Gothalion hat seine Gefühlswelt zu den Token mit diesem Tweet zum Ausdruck gebracht:

Frei übersetzt: Wenn man für alles mit Marken bezahlen muss, fühlt man sich nicht wie ein epischer Krieger, der wertvolle Schätze erbeutet, sondern wie ein Rabattmarken-Sammler.

Token sind nicht sexy!

Die Token haben vor allem ein Image-Problem. Kein Hüter möchte mit Spiel-Chips hantieren und bei den Fraktionen hausieren gehen. Wir sind Götter-Schlächter und Bezwinger der Zeit, und keine Kunden im Ceasar’s Palace.

Allein die Umbennenung der Token mit einer individuellen Grafik würde dazu beitragen, die Gemüter zu beruhigen. Warum sammeln wir in der EDZ keine Fluxkompensatoren, die Devrim Kay unbedingt braucht, und uns dafür Loot gibt?

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Devrim Kay vertritt die Fraktion der Erde

Wenn ich im Eisenbanner vergoldete Ehrenmedaillen für einen Sieg bekommen würden, baut das eine ganz andere Bindung auf, als wenn ich mit Spiel-Chips um mich werfe.

Bungies Motivation ist klar – die Token haben einen hohen Wiedererkennungswert und bieten speziell neuen Spielern eine gute Orientierung. Aber sie bieten auf Dauer vor allem eins: Langeweile!

Warum das Token System trotzdem sinnvoll ist

Ich sage, das Token System ist eine sinnvolle Änderung und hilft vor allem Spielern mit mehr als einem Charakter. Um das zu verstehen, blicken wir zurück auf Destiny 1. Wer sich Loot bei den verschiedenen Fraktionen kaufen wollte, brauchte legendäre Marken. Diese waren begrenzt auf 200 (accountweit).

Wer sich etwas kaufen wollte, musste gut planen – das verfügbare Angebot bei den Fraktionen war teuer. Auch wenn die Möglichkeiten, die Marken zu verdienen, großzügig waren, waren reihenweise Spontankäufe nicht drin.

destiny-2-fraktionen

Als zusätzliche Loot-Quelle galten die Level-Ups bei den Fraktionen. Jedes so verdiente Paket bescherte euch eine zufällige Auswahl an fraktionsgebundenen Gegenständen. Diese Level-Ups waren jedoch charaktergebunden. Jeder Hüter levelte die Fraktionen mit dem Charakter, mit dem er gerade spielte.

Und dies macht das Token-System mit Destiny 2 besser. Ihr könnt nun mit dem Charakter spielen, den Ihr wollt, eure Token aber mit einer anderen Figur einlösen. Dies erhöht die Planbarkeit deutlich. Auch könnt Ihr nun genau abwägen, bei welcher Fraktion Ihr leveln wollt, je nachdem, was Ihr spielt.

Auch habe ich in Destiny mitunter gar nicht mitbekommen, ob ich einen Rangaufstieg bei einer Fraktion hatte. Wer zwei Rangaufstiege hatte, ohne das Belohnungspaket einzusammeln, für den war zumindest das erste Paket verloren. In Destiny 2 bestimmt Ihr selbst, wann Ihr bei einer Fraktion aufsteigen wollt!

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Bezogen auf die Prüfungen der Neun sowie dem Raid stellen die Token darüber hinaus eine gute Möglichkeit dar, sein Equipment zu vervollständigen oder auch einem Charakter Loot zukommen zu lassen, der die Aktivität gar nicht gespielt hat.

Token sollten eine Ergänzung des Loot-Systems sein, nicht der Kern

Das Token-System macht Sinn, leider ist Bungie mit der Implementierung deutlich über das Ziel hinaus geschossen. Die Token sollten den Loot in Destiny 2 ergänzen, und nicht ersetzen. Die Aktivitäten sollten die Hauptquelle für den Loot sein, und kein Händler im Turm.

Sinnvolle Anpassungen des Token-Systems können sein:

  • Erhöhung der Loot-Drops in allen Aktivitäten
  • Token begrenzen als Zahlungsmittel für gezielte, wöchentlich rotierende Gegenstände bei den Fraktionen
  • Rangaufstiege bei den Fraktionen belohnen mit Equipment, welches der Spieler noch nicht hat (Smart Loot)

Ob die Token den Rangaufstieg bewerkstelligen oder ein Erfahrungs-System eingeführt wird, ist unerheblich. Durch die oben genannten Maßnahmen kann der Grundgedanke der Token erhalten bleiben, die Hauptquelle für Beute stellen dann aber wieder die Aktivitäten selbst dar.

Was haltet Ihr vom Token-System in Destiny 2? Fluch oder Segen? Schreibt es uns in den Kommentaren!

Robert Albrecht

Robert “Shin” ist seit seiner ersten Grenzerfahrung mit Final Fantasy VII begeisterter Spieler durch alle Genres hinweg. Er beschäftigt sich für Euch hauptsächlich mit Shared-World Shootern wie Destiny und The Division.