Erst Belohnung, nun im Cash-Shop – Shader in Destiny 2

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Bei Destiny 2 überschatten Probleme mit dem Cash-Shop einen sonst erfreulich guten Start. Wir schauen uns das Problem mit den Einweg-Shadern an. Warum ärgern sich Spieler über eine solche Kleinigkeit? Da steckt mehr dahinter, glaubt unser Autor Schuhmann.

Wir haben heute Mittag über das Problem mit den „Einweg-Shadern“ in Destiny 2 berichtet. Was auf den ersten Blick wie eine Kleinigkeit aussieht, regt viele Spieler auf. Für manche wirkt das befremdlich: Es sind ja nur Shader.

Wir schauen genauer hin. Warum sind die Shader so ein Aufreger-Thema, dass manche sogar zum Boykott aufrufen.

Das Färben von Items in MMO – Vom kleinen Service zur großen Cash-Quelle

Das Einfärben von Gegenständen gibt es in fast allen großen MMORPGs – nur WoW bildet eine Ausnahme. Normalerweise nennt man das „Färben.“

Die Gegenstände, die dafür verwendet werden, heißen „Dyes“ oder „Tints“ – in Destiny heißen diese Färbemittel „Shader“, aber es ist dasselbe Prinzip: Ein Gegenstand erhält eine andere Färbung. Das dient der Individualisierung des Charakters.

 

Spieler sind es gewohnt, dass sie in MMORPGs ihre Rüstungen einfärben können. Das war schon im alten MMORPG „Dark Age of Camelot“ so.

Das Färben kommt im Prinzip in drei verschiedenen Varianten vor. Man merkt hier, dass sich das im Laufe der Zeit vom “netten Service für die Fans” zu einer veritablen Cash-Quelle entwickelt hat.

Stufe 1: Item färben als normalen Service

In manchen Games kaufen Spieler Färbemittel von einem Händler für Ingame-Währung (Diablo 3) oder stellen sie durch Crafting selbst her (Final Fantasy XIV).

Nach einmaligem Benutzen verschwinden die Farben dann wieder – aber das ist kein Problem, da man sie beliebig wiederbeschaffen kann. Für einen Max-Level-Spieler stellt das keinen Aufwand dar. Farben kosten nur eine Kleinigkeit. Sie sind ein typischer Gold-Sink, damit etwas Geld aus dem Wirtschaftskreislauf abfließt.

Quelle: http://ffxivrealm.com/threads/new-dye.12501/

Das ist eine rein kosmetische Entscheidung, an die nichts weiter gebunden ist. Ein solches Färbe-System ist die Standard-08/15-Lösung, über die sich keiner groß Gedanken macht.

Spieler färben sich dann etwa in Gildenfarben oder nach ihrem persönlichen Geschmack.

Stufe 2: Item färben als Auszeichnung für den Spieler – Status-Symbol

Die Stufe zwei gibt es in Spielen wie Guild Wars 2 oder The Elder Scrolls Online. Da misst man dem Färben deutlich mehr Bedeutung zu und die Systeme sind wesentlich komplexer.

Dort werden Färbemittel beim Verwenden nicht verbraucht, sondern die Farbe wird „gespeichert“ und kann dann beliebig auf jedes Item aufgetragen werden, das man besitzt oder später erlangt.

Das Besondere: In diesen Spielen ist es relativ aufwändig, eine der selteneren Farben freizuschalten. Meist starten Spieler mit einem Katalog von „Standard-Farben“ – wer mehr haben will, muss sie sich verdienen.

Bei Guild Wars 2 sind einige der seltenen Farben an die Premium-Währung gekoppelt, die man sich aber auch erspielen kann.

Die Guild Wars 2 Lösung …

Bei ESO muss man sich die Farben durch besondere Errungenschaften im Spiel freischalten.

Erfahrene Spieler wissen dann, wenn sie einen Avatar in besonderer Farbe sehen: „Aha, der hat die und die Heldentat in Tamriel vollbracht.“

Destiny 1 hat ebenfalls auf dieses System gesetzt. Shader hingen an besonderen Leistungen im Spiel. Das waren Drops, die man beliebig oft verwenden konnte.

Shader als eine “Sammlung”, so ist es etwa bei The Elder Scrolls Online geregelt.

Stufe 3: Items färben als Geldquelle für den Publisher

Das MMORPG Black Desert ist ein Buy2Play-Spiel, das regelmäßig weiterentwickelt wird und daher Einnahmen braucht. Black Desert war das erste bekannte MMORPG im Westen, das „Färbungen“ konsequent als Einnahmequelle für sich entdeckt hat. Überhaupt spielen Kosmetika eine große Rolle im Cash-Shop von Black Desert.

Denn die Rüstung der Charaktere sieht man den Spielern nicht an. Die laufen alle „relativ gleich rum“, ob Noob oder Topspieler. Wer sich von der Masse abheben will, muss Kostüme im Cash-Shop kaufen und kann die dann speziell färben.

Ein ähnliches System verwenden populäre Spiele wie League of Legends mit den Skins: Wer sich von anderen abheben will, muss zum Cash-Shop greifen. Wobei da die Skins auch etwas am Modell ändern und daher allgemein als “wertiger” gelten. Wenn Skins nichts am Modell ändern und dem Helden nur eine neue Färbung verpassen, spricht man von “Recolor” – diese Art von Skins gilt generell als minderwertig und als etwas, das es “günstig” geben sollte im Vergleich zu den aufwändigen Skins.

In MOBAs sind Skins als Teil des Monetarisierungs-Systems akzeptiert.

Der Unterschied zu Destiny 2 ist, dass die meisten Spiele, die derart auf Kosmetika setzen, Free2Play-Titel sind oder wie Black Desert günstige Buy2Play-Titel, die auf den Cash-Shop als wichtigste Einnahmequelle angewiesen sind.

Indem man auf Kosmetika setzt, die keine Auswirkungen aufs Spiel haben, verdient man so eine Menge Geld, ohne sich „Pay2Win“-Vorwürfen auszusetzen.

Deshalb ärgern sich Destiny-2-Spieler über so eine vermeintliche Kleinigkeit

Bei Destiny 2 ist die Community jetzt so sauer, weil Bungie/Activision von dem „Shader-System der Stufe 2“, das keine Nachteile für sie hatte, auf eins der Stufe 3 gewechselt ist.

Shader waren in Destiny 1 Teil des Belohnungssystems und kostenlos. In Teil 2 sind Shader Teil des Monetarisierungs-System und gehören zu den Lootboxen.

Destiny 2 ist ein aktueller Vollpreis-Titel. Der sollte in den Augen der Spieler nicht so viel Wert auf den Cash-Shop legen. Die Toleranz ist hier geringer. Teile der Community sehen die Shader als einen Schritt in die falsche Richtung, dem noch mehr Schritte folgen werden.

Kommerzialisierung – der Böse ist nicht Ghaul, sondern Tess

Das Problem ist: Mit der Einführung des Cash-Shops in Destiny 1 kamen damals neue Ding ins Spiel. Jetzt in Destiny 2 nimmt man bestehende Dinge, die eigentlich kostenlos waren, und packt sie in den Cash-Shop – oder zumindest in deren Nähe. Die Lootboxen, aus denen Shader kommen, kann man sich ja auch so verdienen.

Kritiker sehen darin, eine weitere Kommerzialisierung. Es geht immer weniger um Spielen – immer mehr werden Spieler mit dem Cash-Shop konfrontiert.

Auch wenn das für viele nur eine „Kleinigkeit“ ist, zeigt der Kontext, dass es eine bewusste Monetarisierungs-Entscheidung darstellt. Deshalb ist das für viele Gamer ein Grund, jetzt auf die Barrikaden zu gehen.


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Kommentare anschauen (107)

  • Immerhin kann man sich die neue Währung, welche das Silber ersetzt hat, jetzt auch erspielen und somit alles von Tess erwerben, ohne Echtgeld zu zahlen.