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Destiny 2 macht auf Firefly: Dreckiger Space-Western statt Mystik

Der Online-Shooter Destiny 2 scheint einen Wandel im Ton mitzumachen. Als Vorbild dient die gefeierte Science-Fiction-Serie „Firefly.“ Die wurde vor 15 Jahre ruhmlos eingestellt: Die Quoten waren zu schlecht.

Bungie hatte eigentlich keine Ahnung, wo man mit Destiny hinwollte. Das merkten Spieler spätestens, als ihnen gesagt wurde. „Wir haben nicht mal die Zeit, um zu erklären, warum wir keine Zeit für Erklärungen haben.“

Die ursprüngliche Story für Destiny wurde noch vom Halo-Autor Joe Staten entwickelt. Die „höheren Mächte“ fanden dessen Konzept für die Story aber nicht überzeugend. Man befahl einen „Reboot von Destiny.“ Dann wurde die Story genommen, gehäckselt, in den Mixer gesteckt, neu zusammengesetzt und es kam das Destiny dabei raus, was wir alle kennen. So erzählt man es sich zumindest.

Destiny hatte dadurch eine Story, die irgendwie dahin schwebte. Es ging um Aufstieg, Hoffnung, ein neues Zeitalter der Menschheit, um das Licht. Es ging um Untergang, eine nicht fassbare Bedrohung, die aus den Sternen kam, um den Niedergang der Zivilisation, die Dunkelheit.

Destiny-Eris-MornMit den ersten DLCs kam dann die Symbolfigur für all diesen Kummer: Eris Morn. Mit einem dritten Augen über dem Kopf unkte und litt sie melodramatisch.

Die Story von Destiny war ein Jahr lang der erste und größten Kritikpunkt in jedem Gespräch über den Shooter, dessen Gunplay alle lobten.

Mit König der Besessenen kam die Wende

Mit „König der Besessenen“ trat dann Cayde-6 in den Mittelpunkt. Der war bis dahin nur eine Randfigur, der Jäger-Chef.

Nun war Cayde-6 aber zur Hauptfigur aufgestiegen und diente in Destiny als eine Art Stellvertreter für den Spieler. Cayde-6 machte sich nichts aus Eris Morns düsterem Gerede, sagte „Nimm deinen Stein von meiner Karte“, lud die Waffen durch und ließ es krachen. Die Fans liebten es.

Später sagte der Creative Director von „König der Besessenen“, Luke Smith, zufrieden: Da haben wir unsere Stimme gefunden.

Der Trailer zu Destiny ist voll mit Cayde-6, voll mit Firefly

Nathan Fillion

Die Stimme wird nun lauter.

In den zwei Trailern zu Destiny 2 wird deutlich, wie zentral Cayde-6 für Destiny 2 wird und wie sehr sich der Ton im Vergleich zum ersten Teil ändern wird.

Cayde-6 wird von Nathan Fillion gesprochen. Fillion legt als Cayde-6 seine Rolle als Captain Malcolm „Mal“ Reynolds aus der gescheiterten TV-Serie „Firefly“ wieder auf.

Und es ist kein Zufall, dass bei Cayde-6‘ größten Auftritt im Trailer von Destiny 2 nun Ikora Rey an seiner Seite steht und eine Sprechrolle bekommt.

Ikora Rey wird in Destiny 2 von der Schauspielerin Gina Torres gesprochen. Die spielte schon Fillions rechte Hand, Zoë Washburne, in der Serie TV-Firefly. Zufall? Nein.

Bungie hat sich die beiden Hauptpersonen aus einer gescheiterten Science-Fiction-Serie rausgesucht, um 15 Jahre später ihr Millionenprojekt Destiny 2 anzuführen. Das ist aber noch nicht alles: Auch den Ton und einiges andere hat man von Firefly übernommen.

Was ist Firefly?

Firefly war eigentlich als die nächste „Kultserie“ im amerikanischen Fernsehen fest eingeplant. Serienerfinder Joss Whedon hatte sich mit erfolgreichen Jahren als Chef von „Buffy“ und „Angel“ einen Namen gemacht. Die neue Serie würde Kult werden, waren sich viele sicher.

Firefly startete im September 2002.

Firefly ist eine Art Space-Western. Die Menschheit hat die Erde verlassen, sich zu neuen Welten aufgemacht und sie kolonisiert. Doch es brach eine Rebellion gegen die Staatsmacht, die Allianz, aus. Diese Rebellion wurde niedergeschlagen.

Die Helden der Serie sind Angehörige dieser gescheiterten Rebellion. Es sind Veteranen, die für eine verlorene Sache gekämpft haben.

Das Universum ist schmutzig und dreckig in Firefly. Die Serie hat viel von einem Western. Die äußeren Welten des Universums sind gesetzlos, die Zivilisation ist weit weg. Die Menschen sind hier auf sich alleine gestellt.

Es herrscht ein rauer, aber kameradschaftlicher Ton unter der Besatzung der „Serenity“, dort spielt der Hauptteil der Handlung. Richtige Helden sind das nicht, sondern Menschen aus Fleisch und Blut. Der Kapitän ist ein zwielichtiges Raubein, stets auf seinen eigenen Vorteil bedacht. Er ist ein Pragmatiker und Aufschneider, sturr und hitzköpfig, hat das Herz aber am rechten Fleck. Na, nach wem klingt das?

Cayde-6 ist übrigens selbst ein Fan von „Firefly“:

Parallen zu Destiny 2

Die Parallelen zu Destiny 2 sind offenkundig. Auch hier kämpfen die Hüter für eine verlorene Sache, sind heimatlose Vagabunden geworden, die sich zu neuen Welten aufmachen müssen. Der Gegner ist mächtig, monströs, gesichtslos und gut bewaffnet.

Im Trailer sind einige Parallelen zu Firefly zu erkennen. Cayde-6 und Captain Reynolds werden nicht nur vom selben Schauspieler gesprochen. Auch sonst ähnelt Cayde-6 stark dem Captain. Da schießt Cayde-6 mit einem Revolver aus der Hüfte, begrüßt seine Kameraden mit „Ihr Abschaum“ und ist dem Alkohol nicht abgeneigt. In ihm wird das pragmatische Raubein, ein Revolverheld und Haudrauf, wieder zum Stellvertreter der Spieler.destiny-ikora-2

Klar ist: Die Hüter in Destiny sind keine Helden mehr, keine Figuren, die für „nebulöse Ziele“ kämpfen wie in Destiny 1. Sondern es geht um das Überleben, um Beute, die Kameradschaft untereinander, um die aktuelle Bedrohung durch die Kabale.

Und die ist verdammt real.

Was wurde aus Firefly?

Firefly wurde nach nur einer Staffel zur Überraschung vieler Fans abgesetzt – wegen schlechter Einschaltquoten. Erst nach dem Ende kam der Erfolg über DVD-Verkäufe. So bekam die Serie „Firefly“ noch den Film „Serenity“ als würdigen Abschluss spendiert.

Noch heute können es viele nicht fassen, dass das „goldene Zeitalter von Firefly“, mit dem man so fest gerechnet hat, nie eintrat. Am 20. September 2002 hätte es beginnen sollen. Wer hätte gedacht, dass es erst am 8. September 2017 richtig losgeht?


Der Game Director, der Cayde-6 vor 2 Jahren in den Mittelpunkt von Destiny 1 gerückt hat, ist auch bei Destiny 2 wieder am Steuer:

Destiny 2: Er ist wieder da – Werft schon mal Geld gegen den Monitor

Schuhmann
Schuhmann, das L steht für Niveau.