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Shooter mit Hauptstädten – Destiny 2 und CoD WW2 lernen von WoW

Der MMO-Shooter Destiny 2 baut mit der Farm den Social Space weiter aus. CoD WW2 kriegt im neuen Spiel ein eigenes Hauptquartier. Aber wofür sind solche Orte eigentlich da? Warum wollen Shooter nun soziale Treffpunkte?

Ein Social Space, ein Ort zum Nichtstun, in einem klassischen Shooter. Wofür ist die Farm in Destiny 2 da und was macht sie so wichtig für den Erfolg des Spiels? Was ist an dem Konzept so interessant, dass jetzt sogar Call of Duty ein Hauptquartier für seine Soldaten bauen will? Wir schauen uns das an.

Grund 1: Die Farm als Laufsteg für unseren Erfolg

Bei Online-Spielen geht es um den Status: Das, was man im Spiel erreicht, soll sich am eigenen Helden widerspiegeln. Hier unterscheidet sich die virtuelle Welt nicht von der realen.

In dem, was wir so echtes Leben nennen, zeigen wir her, was wir erreicht haben: mein Haus, mein Auto, mein Boot.

In MMORPGs wie WoW heißt es seit 15 oder mehr Jahren: mein Mount, meine Waffe, mein Level.

Bei Shootern wie Destiny gibt es diese Statussymbole ebenfalls: Seltene Embleme, die für besondere Leistungen verliehen wurden, ein spezieller Shader oder eine seltene Waffe.

Spieler verwenden eine Menge Zeit darauf, den Look ihres Helden zu perfektionieren, auch wenn sich mancher mit einer Topf-Frisur klar als Lauch zu erkennen gibt.

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Im „normalen“ Gefecht gehen diese Feinheiten unter. Oft ist man ohnehin nur alleine oder in kleinen Gruppen in Instanzen der Welt unterwegs: Niemand sieht, was man erreicht hat. Man kann sich nicht mit anderen vergleichen.

Was bringt’s, wenn man weit und breit die coolste Sau ist, aber es ist keiner da, der einen bewundert?

In anderen Spielen haben die Entwickler das Problem schon lange erkannt und „Ruhezonen“ geschaffen. Diese Idee findet sich auch in Destiny wieder: Im Social Space, erst im Turm, bei Destiny 2 in der Farm, haben wir Gelegenheit, den anderen zu inspizieren und unter die Lupe zu nehmen.

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Vorbild: Die Hauptstädte in WoW

Unsere „Errungenschaften“ im Spiel werden an diesen Ruhezonen zur Schau gestellt. Schon in 2006 war es in WoW üblich, dass die stärksten Spieler eines Servers vor zentralen Orten in der Hauptstadt posierten und dort ihren Charakter mit all jenen Gegenständen und Status-Symbolen zur Schau stellten, die dem normalen „Fußvolk“ unerreichbar blieben.

Genügte es am Anfang, nur ein besonders hohes Level zu haben („Oh, der ist schon Stufe 60“), kamen später besonders seltene Mounts („Wo hat er das nur her?“) oder edle Waffen mit Effekten dazu („Hast du sein Schwert gesehen? Das leuchtet“).

Später ließen sich Titel bewundern, die für bestimmte Erfolge verliehen wurden. Der Chef von Destiny 2, Luke Smith, ist noch heute stolz darauf, dass er es in WoW vor 10 Jahren zum „Scarab Lord“ gebracht hat.

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All diese Statussymbole und die Möglichkeit, diese und seinen persönlichen Stil der Öffentlichkeit zu präsentieren, erhöhen die Motivation, diese Symbole auch wirklich zu erreichen.

Selbst Call of Duty hat mittlerweile erkannt, dass so ein Platz im Spiel fehlt. Für die 2017er Version CoD: WW2 wird nun ein „Hauptquartier“ errichtet.

Bei Destiny 2 wird die Farm im Vergleich zum alten Social Space, dem Turm, deutlich ausgebaut. Mehr Aktivitäten, mehr Platz, mehr Leute.

Grund 2: Kommunikation und gemeinsame Aktivitäten, um soziale Bindungen zu festigen

Aber ein Social Space ist noch für mehr da, als nur die Erfolge zur Schau zu stellen.

In Shootern soll es schon lange nicht mehr „nur ums Ballern“ gehen. Die Entwickler schaffen Räume, in denen Spieler friedlich aufeinander treffen können.

Sie kriegen Emotes spendiert, um miteinander zu kommunizieren. Manchmal entstehen sogar kleine Happenings oder Events. Der Bedarf an denen ist so groß, dass Spieler sie veranstalten, auch wenn der Entwickler eigentlich gar keine Möglichkeiten vorgesehen hat.

In Destiny 1 bildete sich manchmal spontan eine Polonaise, die dann im Gänsemarsch auf die Klippe des Turms zuging, um sich gemeinsam in den Tod zu stürzen. Makaber, aber es zeigt das Bedürfnis der Spieler, auch mit rudimentären Mitteln gemeinsam etwas zu erleben.

In Destiny 2 wird man den Spielern einen Fußballplatz spendieren. Im ersten Teil hatte man lediglich einen Ball in den Turm gelegt und geschaut, ob die Hüter damit etwas anfangen würden.

Solche Sachen, egal wie albern sie sind, fördern den Zusammenhalt in der Community und stärken soziale Bindungen, die Spieler oft noch ans Spiel fesseln, wenn es der eigentliche Inhalt des Spiels nicht tun kann.

Es macht die Games zu mehr als einem Spiel, es macht sie zu einem Hobby.

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Grund 3: Praktische Gründe – MMO-Elemente fordern NPCs, die müssen wo stehen

Ein praktischer Grund für einen Social Space sind die wachsenden „MMO-Elemente“ in Shootern. Mit diesen Elementen wie Quests und Waffen kamen solche zentralen Orte fast unwillkürlich in die Spiele.

Wer Quests und Items hat, der braucht auch Quest-NPCs und Händler, die zentral an einem Ort zu finden sind.

Viele zentrale Belohnungs- und Questsysteme von Destiny werden im Spiel durch spezielle NPCs repräsentiert: Xûr, das Inventar-System mit Poststelle oder der Kryptarch funktionieren nur mit NPCs.

Diese Funktionen könnte man durch ein Menü regeln, aber durch NPCs wird es „persönlicher.“ Einen Menü-Punkt, der eine Spiel-Mechanik darstellt, kann man nicht hassen oder lieben. Xûr oder Rahool kann man hassen und Hüter tun es mit Inbrunst.

Grund 4: Warteraum, bis es losgeht

Die wachsende Instanzierung der Spiele hat die Notwendigkeit eines Warteorts erhöht. Man reist nicht zu den Abenteuern, man wartet, bis man zu ihnen vorgelassen wird und wird zum Start an den Zielort teleportiert.

Während sie darauf warten, dass eine „Aktivität“ beginnt, brauchen Spieler einen Ort, an dem sie sich die Zeit vertreiben können.

Bislang war das in Destiny der Orbit, wo Spieler warten mussten, dass die Action startet. In Destiny 2 wird das nicht mehr notwendig sein, sondern Spieler können auch von außerhalb des Orbits Aktivitäten betreten.

Daher wird der Social Space als „Warteort zum Zeitvertreib“ noch wichtiger werden als in Destiny 1. Die Farm wird folgerichtig ausgebaut.

Grund 5: Mikrotransaktionen werden so attraktiver

Die Entwickler profitieren von Social Spaces nicht nur durch eine höhere Bindung der Spieler, sondern auch konkret.

Denn ein weiterer Vorteil von diesen Social Hubs: Mikrotransaktionen werden so attraktiver und damit die Einnahmen der Spiele.

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Wer sich keine „besondere Sache“ im Spiel erarbeiten kann, weil ihm Zeit oder Skill fehlen, der kann sie über den Cash-Shop erwerben: ein seltener Skin, ein besonderer Lichteffekt wie Chromatin.

Solche Items nennt man auch „Vanity-Items“ (Eitelkeit-Gegenständie). Sie kauft man einerseits für sich selbst, weil man den eigenen Hüter besonders schön darstellen will, ihm was gönnen möchte und sich daran erfreut. Oder man kauft sie für andere, die sehen sollen, was man sich leisten kann.

Auch Emotes und damit „neue Arten zu kommunizieren“ sind für Euros zu haben.

Destiny hat es so geschafft, sogar in 2016, als nur wenig Spielinhalte erschienen sind, ganz weit oben bei den profitabelsten Spielen zu landen – fast nur mit solchen Mikrotransaktionen.

Wir wollen von Euch in einer Umfrage wissen: Was ist Euch an Social Spaces am Wichtigsten?

Wie die einzelnen Spiele die Social Spaces genau umsetzen, lest Ihr hier:

Schuhmann

Schuhmann, das L steht für Niveau.