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Guild Wars 2: Es kriselt – Warum läuft’s beim MMORPG gerade nicht?

Guild Wars 2: Es kriselt – Warum läuft’s beim MMORPG gerade nicht?

Es ist still geworden um das einstige Vorzeige-MMORPG Guild Wars 2 von NCSoft. Unser Leser Erzkanzler geht der Sache auf den Grund.

Ich sehe eine Ursache für den gegenwärtigen Stand von Guild Wars 2 in der spielerfreundlichen Update-Strategie des Spiels. Das klingt erst einmal widersprüchlich, wird aber im Vergleich mit anderen MMOs deutlich. Blizzard beispielsweise veröffentlicht Jahr um Jahr große Addons zu gepfefferten Preisen. Bei WoW sind die Erweiterungen meist umfangreich. Selbst Spieler, die WoW verlassen haben, kehren bei einer Erweiterung scharenweise zurück, um sich neue Gebiete, Klassen, Raids und Mechaniken anzuschauen.

Selbst wenn es sie nicht lange fesselt – sie kaufen das Add-on und unterstützen so die weitere Entwicklung des MMORPGs.

Die Lebendige Welt ist das Problem von Guild Wars 2

Arenanet hingegen steht sich bei Guild Wars 2 selbst im Wege. Grund hierfür ist die sogenannte “Lebendige Welt” – eine Update-Philosophie, die das Spiel stetig in kleineren Story- und Gebietserweiterungen vergrößert. Diese Updates sind für Spieler, die sich im Monat der Veröffentlichung einloggen, kostenlos. Wer eine Episode verpasst hat, kann sie nachträglich über den Ingame-Shop freischalten.

Die Auswirkungen auf das Spiel sind größtenteils marginal. Die Masse der Spieler scheint mit der Vielzahl der im Spiel gebotenen Möglichkeiten schon ausreichend beschäftigt. Sie entdecken die Welt, tummeln sich in Dungeons und Fraktalen oder schlagen sich im PvP die Köpfe ein: entweder in der “Welt gegen Welt” oder im kompetitiven sPvP.

Guild Wars 2 bietet auch ohne Updates Spielinhalte für Monate oder gar Jahre. Und wenn das nicht ausreicht, greift man zum einzigen veröffentlichten, kostenpflichtigen Add-on Heart of Thorns und erhält Zugriff auf diverse weitere Inhalte.

Es gibt keinen Punkt, um zu Guild Wars 2 zurückzukehren

Und genau diese positive Eigenschaft wird für Guild Wars 2 zum Problem. Es gibt kaum einen Zeitpunkt, an dem es sich für Ehemalige lohnt, zurückzukehren. Ich selbst habe es lange und intensiv gespielt. Da Guild Wars 2 kein Abo-Modell besitzt, schaue ich ab und an vorbei, um meine Horde von Charakteren kurz Gassi zu führen.

Selbst mir als aufmerksamer Beobachter entgehen aber immer wieder Neuerungen und kleinere Erweiterungen. Wenn ich mir die Mühe mache, mir die Inhaltserweiterung seit Heart of Thorns im gut gepflegten Wiki des Spiels anzulesen, ist schon die Zusammenfassung eine Augenweide.

  • So wurde der Raid, der mit dem Add-on Heart of Thorns Einzug erhielt, um zwei Flügel erweitert,
  • die Nutzung der Gleiter in den Gebieten des ehemaligen Hauptspiels wurde ermöglicht,
  • neue legendäre Waffen wurden implementiert,
  • neue Fraktale (Dungeons) und PvP Karten kamen hinzu.
  • Und nicht zuletzt wurde die Weltkarte um vier neue Spielgebiete erweitert.

Nicht schlecht für kostenlosen Content, oder?

Guild Wars 2 fehlen Paukenschläge

Würde man diese Inhalte gesammelt in einem Update veröffentlichen, wäre ein Großteil der Stammspieler sicher bereit, für diese Inhalte zu zahlen. Aber natürlich beschwert sich niemand über Gratisinhalte. Diese Strategie der “kleinen Brocken” verhindert aber, ehemaligen Spielern die Gesamtheit der Änderungen vor Augen zu führen und das Medienecho ist – wer hätte es erwarte – geringer als bei großen, kostenpflichtigen Add-ons. Auch potenziell neue Spieler lassen sich so schwieriger umwerben.

ArenaNet war schon immer ein bemerkenswerter Entwickler. Kaum jemand hielt ein Buy2Play-MMO für realistisch finanzierbar oder glaubte gar an einen finanziellen Erfolg. Der erste Titel dieser ambitionierten, ehemaligen Blizzard-Mitarbeiter bewies ab Mitte 2005 das Gegenteil: Guild Wars 1. Schon im Jahre 2010 lagen die Verkaufszahlen bei über 7 Millionen Exemplaren. Und auch heute noch hat der erste Teil seine treuen Fans.

Auch wenn viele den Nachfolger Guild Wars 2 nicht in der Tradition des ersten Teils sehen, so hat auch der zweite Teil seine treue Fangemeinde. ArenaNet kann sich also eine Community-Pflege mit kleinen Inhaltserweiterungen erlauben. Geld generiert der Ingame-Shop über Kostüme, Farben und andere nicht spielentscheidende Angebote.guild-wars-2-primordius

Heart of Thorns – Nicht so erfolgreich, wie erhofft

Es ist kein Geheimnis, das letzte große Add-on war wohl nicht so erfolgreich wie erhofft. Die nächste große Erweiterung wurde zwar bereits im Januar 2016 am Rande eines Blogpost der Entwickler erwähnt, doch jegliches Lebenszeichen blieb seither aus. Einzig ein angeblicher Screenshot wurde geleakt, inhaltlich scheint dieser mit der Kristallwüste sogar ein glaubwürdiges Szenario zu bieten. Diverse weitere kleine Hinweise, wie etwa kleinste Veränderungen der Weltkarte, unterstützen die Vermutungen. Offizielles gibt es jedoch nicht.

Bleibt letztlich die Frage, ob ein Entwickler sich heutzutage den Luxus leisten kann, nur Bestandskundenpflege zu betreiben und die Kommunikation über mögliche zukünftige Inhalte auf ein Minimum zu reduzieren. Die Community ist gespalten, viele wünschen sich mehr Informationen zu einer Inhaltserweiterung, auch um die Bestandsspieler weiterhin im Spiel zu halten.

Aber auch mahnende Stimmen, die sich an allzu optimistische Versprechungen Arenanets vor Heart of Thorns erinnern, werden laut. Allen wird man es, wie so oft, wohl nicht recht machen können.Guild-Wars-2-Eureka

In meinen Augen sollte Arenanet einen Mittelweg finden, sowohl in der Kommunikation als auch in der Inhaltsvermarktung. Ein kleiner Hypetrain würde dem etwas angestaubten Spiel derzeit sicher nicht schaden, ist Heart of Thorns nun bereits seit Ende Oktober 2015 auf den Servern. Und auch wenn ich den fast familiären „Guild Chat“ der Entwickler auf Twitch immer wieder gern seh, ein wenig mehr Zukunftsaussichten würden mich freuen.

Allein schon, weil nach einer Add-on Ankündigung sicher noch viel Zeit ins Land ziehen wird, bis wir diese Inhalte auf dem Server sehen werden.

Was fesselt euch an eurem Lieblingsspiel? Sind es eher kleine, aber dafür zahlreiche kostenlose Erweiterungen, oder wünscht ihr euch lieber große, kostenpflichtige Erweiterungen?


Dieser Artikel stammt von unserem Leser Erzkanzler.

Mehr zur Situation bei GW2 und den anderen großen MMORPGs:

State of Play: Wo stehen die MMORPGs WoW, ESO, GW2, FF14 und Black Desert Anfang 2017?

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