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Ich werde Classic WoW verteufeln – und das liebe ich daran!

Blizzard verspricht Classic-Server für World of Warcraft. Eine Ankündigung, die seit der Blizzcon 2017 große Wellen schlägt. Unser Autor Benedict hat einen persönlichen Kommentar dazu..

Eigentlich habe ich damit gerechnet, dass Blizzard in der Eröffnungszeremonie der Blizzcon für WoW zwei Sachen ankündigt: Antorus und das neue Addon.

Die Ansage, dass Vanilla WoW wieder spielbar wird, hat mich hier in Japan um etwa 4 Uhr nachts doch kurz entzückt aufschreien lassen.

Jetzt, eine Woche später, habe ich Distanz zum Thema, mir viele Gedanken gemacht und viel dazu gelesen. Ich bin immer noch Meinung: Classic WoW wird großartig! Trotz aller Makel und Unannehmlichkeiten, die es begleiten werden.

Was bedeutet eigentlich WoW Classic?

Classic WoW, manchmal auch Vanilla genannt, ist die ursprüngliche Version des MMORPG. Es ist ein WoW ohne jegliche Erweiterung.

Charaktere waren in vielen Bereichen limitierter als heute. Die Höchststufe betrug Level 60. Jede Fraktion hatte 4 Rassen, und es gab insgesamt 9 Klassen. Dabei war der Schamane nur für die Horde, der Paladin nur für die Allianz zugänglich.

Im Gegenzug konnte man die Charakter etwas freier anpassen. Jede Klasse hatte einen zusätzlichen Waffenplatz für Fernkampf-Waffen wie Gewehre und Zauberstäbe oder Totems (Schamane), Idole (Druide) und Buchbände (Paladin). Auch die Wahl der Ausrüstung war nicht so limitiert, da es keinen Bonus gab, wenn Klassen die gleiche Rüstungsart (Platte etc.) in allen Slots trugen.

Auch der Content selbst ist deutlich weniger als im Moment. Die Karte bestand damals nur aus den beiden Kontinenten Kalimdor und Östliche Königreiche. Es gab 9 Raids, 20 Dungeons (von denen einige aufgeteilt waren) und 3 Schlachtfelder. Überschaubar, aber in Classic war auch eher der Weg das Ziel.

WoW Onyxia Classic Artwork

Warum ich Vanilla WoW spielen will

Ich habe WoW schon zu Classic gespielt. Allerdings kam der Release von “The Burning Crusade”, als ich gerade mit Level 20 oder 30 im Dämmerwald meine Schattenblitze durch die Gegend schleuderte. Den End-Content von Classic sah ich also erst viel später.

Genau das ist auch der Punkt, auf den ich mich am meisten freue: Raids mit 40 Leuten gab es schon zu BC nicht mehr. Die epischen Kämpfe gegen Ragnaros, Nefarian, Onyxia und C‘thun kenne ich nur aus Erzählungen. Das zu erleben wird großartig werden!

WoW Naxxramas Huge

Ganz besonders freue ich mich auf Naxxramas. Die Nekropole durfte ich erst zu Wrath of the Lich King überhaupt besuchen – denn sie ist ja nach Classic einfach verschwunden! Aber schon in Nordend war sie eine meiner Lieblingsinstanzen.

Das Gefühl, sich als ungebetener Gast durch einen großen Stützpunkt der Geißel zu schleichen und die Generäle zu zerlegen war wunderbar. Wie großartig muss es dann erst sein, wenn man sich diesem Abenteuer in seiner ursprünglichen Form stellt?

World of Warcraft: Four Horsemen

Das waren noch Zeiten!

Was sich seit WoW Classic geändert hat – und was sich wieder ändern wird

In den letzten Tagen kam mir dabei auch in den Sinn, wie sehr sich Raids generell verändert haben. Raidbuffs sind verschwunden, die Klassen wurden stark aneinander angepasst. Zu BC brauchte man noch Magier für Hochkönig Maulgar, in WotLK Hexer für die Blutprinzen.

Die Relevanz der Klassen kommt also endlich zurück, auch wenn das bedeutet, dass Raids wieder schwerer werden. Als eingefleischter Allianzler wird mir Kampfrausch fehlen, auch wenn die Horde ihn damals auch noch nicht hatte – dafür bin ich gespannt, wie laut die Paladine fluchen werden, wenn sie alle 15 Minuten neu buffen müssen.

Vermutlich wird es mich wieder zu meinem Hexenmeister ziehen. Das bedeutet für mich: Jeder neue Dämon erfordert seine eigene Questreihe. Das Hexerpferd werde ich mir mühsam erarbeiten müssen. Seelensplitter werden mindestens 2 oder 3 Taschen belegen, und ich werde sie brauchen, um ordentlich zu raiden.

WoW Hunter Classic Rhok'delar

Alles ist eine Jägerwaffe! Bildquelle: wowhead

Es wird anstrengend, und das ist auch gut so!

Ich werde auch mit Freuden stundenlang an niedrigstufigen Mobs stehen, um sie mit automatischen Angriffen zu traktieren, nur um meine Waffenfertigkeit zu steigern. Das alles sind Dinge, die ich schon vergessen hatte – aber eigentlich vermisse, weil sie den Charakteren Tiefe geben.

Wir waren in Classic keine Helden, denen man eine der mächtigsten Waffen Azeroths in die Hand drückt. Der Stand heute: Mein Charakter hat zuvor noch nie einen Zweihänder gesehen? Macht nichts, einfach draufhauen und gut ist!

Wir waren in Classic Abenteurer, die die Schnauze voll hatten von den Problemen der Welt. Also zogen wir aus, um sie zu lösen – oder beim Versuch zu sterben. Oft. Und ich werde kein Problem damit haben, am Anfang ein absoluter Versager zu sein.

Warcraft

Was lange währt wird endlich gut

Der Weg vom Bauernjungen zum Drachentöter ist eben lang, und er beginnt mit dem ersten Wildschwein, das man erlegt, ohne zu verbluten. Es benötigt Zeit, Erfahrung und Training – sowohl als Charakter als auch als Spieler. Es fühlt sich… richtiger an.

WoW Tarrens Mill Classic

Diese Geschichte, die den Charakter eigentlich erst ausmacht, ist in der Zeit verloren gegangen. In Classic darf ich sie noch einmal erleben, mich noch einmal daran erinnern, wie ich eigentlich zu dem Helden wurde, der heute auf den Herrn der Dämonen selbst angesetzt wird.

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