Blizzard zu MMORPG Titan: „Wir sind fürchterlich gescheitert“

Blizzards Jeff Kaplan wirft einen Blick auf die Trümmer von Titan, dem Spiel, das das nächste große MMORPG hätte werden sollen.

Im Interview mit Gamespot schaut Jeff Kaplan auf Titan zurück. Das Projekt, ein riesiges und ambitioniertes MMORPG, wurde im Dezember 2010 offiziell angekündigt und im September 2014 offiziell begraben. Es habe einfach nie richtig Spaß gemacht, sagten die Entwickler damals.

Aus der Asche des Titan soll nun Overwatch entstehen.

Vom Erfolg verwöhnt, unheimlich talentiert, grandios gescheitert

Laut Kaplan sei man gescheitert, wie man nur scheitern kann. Man hatte eine Gruppe hochtalentierter, vom Erfolg verwöhnter Designer. Einige von ihnen hatten dabei geholfen, die größten Titel von Blizzard auf die Beine zu stellen. Und dann habe man in allen erdenklichen Wegen versagt. Es sei niederschmetternd gewesen.

Für so erfolgsverwöhnte Leute, von denen manche extra zu Blizzard kamen, um an etwas Tollem zu arbeiten, sei das sehr hart gewesen. Da habe man eine völlig neue Erfahrung gemacht: Es kam fast einer Identitätskrise gleich.

Der größte Druck nach dem Ende von Titan sei im Team selbst entstanden. Um einen herum Titel, wie Starcraft, Heroes of the Storm, Hearthstone oder WoW, und dann man selbst, das eigene Team: Man saß auf den rauchenden Trümmern eines gecancelten Projekts. Und es gilt die Regel “Man ist nur so gut wie sein letztes Spiel.”

Auch wenn das Umfeld unterstützend war, nagte die eigene Enttäuschung: „Wir müssen das wieder gut machen. Wir müssen beweisen, dass wir Blizzard würdig sind.“

Die guten Seiten des absoluten Versagens

Als man die Wunden geleckt und sich neu orientiert hatte, zu „Overwatch“ überging, hatte die Niederlage ein enges Band im Team geknüpft und es sei eine Gier dagewesen, der Welt zu zeigen, dass man es drauf hat, schildert Kaplan die Story.

Mein MMO meint: Es wirkt, als schmiedet man da bei Blizzard an der eigenen Geschichte rum, kreiert einen Mythos. Wer will’s ihnen verdenken. Es gilt so das Motto „Wenn wir schon Millionen in Titan versenkten, dann gibt das wenigstens eine tolle Ursprungsgeschichte für Overwatch.“

Wobei das sicher nicht so geplant war: Die Episode mit Titan hätten sich alle Beteiligten lieber gespart … aber so ist es doch noch zu was gut, gibt zumindest eine starke Geschichte, einen reichhaltigen Nährboden für Overwatch. Das geht langsam in die heiße Phase – eine dreiteilige “Doku-Serie” mit Gamespot soll da wohl die nötige PR-Power geben.

Es ist klar: Das Ende von Titan soll nicht das letzte Kapitel in “Wie Blizzard mit einem neuen MMORPG scheiterte” sein, sondern das erste Kapitel in “Wie Blizzard mit Overwatch den nächsten Hit bastelte.” Ob das wirklich gelingt, wird letztlich das Release von Overwatch zeigen. Mythos hin oder her, Spaß muss das Ding letztlich machen. Und genau daran scheiterte es bei Titan ja.