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Battleborn ist tot – Der Nachruf eines Fans!

Battleborn ist tot – Der Nachruf eines Fans!

Der bunte und fordernde Hero-Shooter Battleborn wird nicht mehr weiterentwickelt und ist damit praktisch tot. Jürgen trauert um das tragisch gescheitertes Projekt von Gearbox.

Es ist vorbei, Battleborn ist tot. Vor kurzem verkündete Entwickler Gearbox, dass man den Hero-Shooter nicht mehr länger mit Updates versorgen wird. Das kommende Herbst-Update kommt noch, dann ist Schluss.

Die Server sollen zwar noch online bleiben, aber bei zuletzt knapp 100 Spielern im Durchschnitt kann man wirklich nicht mehr von einem lebendigen Spiel sprechen. Es ist, wie es ist: Battleborn ist praktisch tot.

Battleborn – Ein sperriges Vergnügen

Dabei erinnere ich mich noch gut an meine ersten Spiele in Battleborn. Ich war damals gerade frisch von einem Trip in die USA zurück und hatte mich schon in Übersee um einen Review-Key bemüht. Kaum war ich wieder im Lande, installierte ich Battleborn und zockte munter drauf los.

Das war eher ein Fehler. Denn zum einen ist Battleborn ein komplexes Spiel und zum anderen hatte ich noch übel Jetlag von dem Flug. 13 Stunden in der Holzklasse mit 1,85 Meter Körpergröße gehen halt nicht so spurlos an einem vorbei. Jedenfalls bekam ich kolossal auf die Fresse. Immer und immer wieder. Ich konnte kaum was reißen, aber dennoch machte das Spiel einen Mords-Spaß.

Ich wollte mich in das komplexe Gameplay reinfuchsen, wollte alle Helden testen und verdammt nochmal doch noch ein Erfolgserlebnis haben!

Battleborn – Es war so herrlich abgedreht!

Außerdem gefiel mir der Stil von Battleborn! Als ich es zum ersten Mal auf Screenshots sah, dachte ich für einen Moment, es wäre ein neues Update zu Wildstar – das ist auch so ein Liebling von mir.

Ich mochte einfach den abgedrehten Comic-Stil und die coolen Helden. Battleborns verrückter Haufen taugte mir stets mehr als die eher auf Pixar-Look getrimmten und am Ende recht braven Helden aus Overwatch.

Battleborn – Die coolsten Helden und der beste Soundtrack!

Kleine Kostprobe meiner Helden-Highlights gefällig?

  • Es gab einen Pinguin namens Tobi, der in einem Mech saß und große Probleme mit seinem Selbstwertgefühl hatte.
  • Ein „Held“ war ein grantiger Opa mit Namen Cleese, der sogar eine holografische Katze gegen den Strich streichelte. Außerdem flog er mit einem bequemen High-Tech-Sessel voller Waffen über das Schlachtfeld.
  • Der tankige Montana war ein Riese mit winzigem Kopf und einer dicken Minigun. Eine spielgewordene Parodie auf all die dicken, großen Typen in anderen Games.
  • Ein weiterer Charakter war der kleine, dicke Spatz Ernest, der wie ein grimmiger Feldwebel redete sowie Bomben und Granaten verschoss.
  • Der arrogante Roboter Marquis wiederum war ein reicher Schnösel, der seine Feinde (und Team-Mates) mit Sprüchen wie „Ihr widert mich an!“ oder „Seid gegrüßt, ihr Wilden!“ begrüßte.
  • Auch cool: Die irre Chaos-Hexe Orendi, die am liebsten die Gedärme von allen anderen fressen wollte und von der fantastischen Synchronsprecherin Ashly Burch (u.a. Tiny Tina aus Borderlands) gesprochen wurde.
  • Der Held Oscar-Mike war der 08-15-Shooter-Soldat. Er war so 08-15, dass er im Spiel einfach ein Klon war.
  • Ein Held war sogar ein Ninja-Pilz namens Miko.

Ebenfalls super: Die coolen Songs, die Gearbox für die Ankündigungs-Trailer verwendete. Ich habe mir sogar alle Songs auf Spotify gesucht und – zusammen mit den ganzen Borderlands-Songs – zu einer Playlist zusammengefast, die ich jetzt gerade schweren Herzens beim Schreiben dieses Artikels höre.

Wenn ihr mittrauern wollt, hier wäre der Spotify-Embed:

Battleborn – Derber Humor und cooles Setting

Passend zu den abgefahrenen Helden war ebenso das Setting von Battleborn. Gerade im (sonst eher laschen) Coop-Modus kam es immer wieder zu irre witzigen Situationen. Beispielsweise beim Bosskampf gegen den Spinnenroboter Geoff, der während des Kampfs ständig darauf besteht, dass er gefälligst „Arachnis, der Spinnenkönig“ zu nennen sei! Daher kann man ihn auch – völlig gegen jede Logik – mit Anti-Spinnen-Spray bekämpfen!

Oder die Szene, in der sich eure treue KI, die euer Landungsschiff steuert, einen Virus einfängt und dann wie besoffen lallt und gegen so ziemlich jede Felswand schrammt. Oder die Gelegenheit für einen wirklich saublöden (und dadurch noch witzigeren) Kalauer, bei dem herauskommt, dass „Arms Depots“ (eigentlich Waffenlager) tatsächlich mechanische Arme haben und sich gegenseitig via Brofist begrüßen.

Dass der Humor nicht immer jugendfrei oder politisch korrekt daher kam, war ebenfalls ein dicker Pluspunkt im Vergleich zum braven Overwatch und Co.

Battleborn – Es sollte einfach nicht sein

Trotz all dieser Features konnte Battleborn leider nie wirklich genug Spieler begeistern. Während kurz nach Release noch recht viel los war, sanken die Spielerzahlen kurz nach dem bald folgenden Overwatch-Release immer weiter und bald schon war Battleborn kaum noch relevant.Battleborn Kleese Dragon

Da halfen auch die mit großem Enthusiasmus von Fans organisierten Battleborn-Days und der Quasi-Free2Play-Launch vor drei Monaten nichts mehr. Selbst die von Studio-Chef gefeierten Fan-Pornos zu Battleborn haben nix gebracht.

Battleborn wird nicht mehr weiterentwickelt und auch wenn die Server noch laufen, dürfte dort bald noch weniger los sein, als eh schon der Fall ist. Es ist wirklich Schade um ein wunderbares Spiel, das mehr Erfolg verdient gehabt hätte.

Battleborn ist tot, es lebe Borderlands 3!

Andererseits ist jedes Ende auch ein neuer Anfang. Und im Falle von Battleborn bedeutet das, dass jetzt mehr Mitarbeiter an Borderlands 3 arbeiten könnten, dem lang ersehnten neuen Teil der Kult-Serie von Gearbox.Battleborn-Orendi

Und wer weiß, vielleicht sehen wir ja den ein oder anderen Charakter als Variante im neuen Borderlands-Teil? Wir werden sehen …

Weitere Spiele, die ich liebe, aber sonst wohl kaum jemand, findet ihr unter dem angegebenen Link hier. Hoffentlich gehen sie nicht auch noch den Weg von Battleborn!

Jürgen Stöffel
Jürgen Stöffel begann seine Karriere als Spiele-Redakteur 2013 bei buffed und war danach Freelancer bei Gamestar, Online-Redakteur bei GIGA und dann für einige Zeit freiberuflicher MMORPG-Redakteur bei Gamestar. Als Mein-MMO dann zu Webedia kam, wurde Jürgen von Dawid mit ins Team geholt. Seit April 2017 ist Jürgen bei Mein-MMO fest dabei. Neben Online-Rollenspielen mag er vor allem taktische MMOs wie World of Tanks und MOBAs. Und zu einer Runde Borderlands oder Fortnite im Coop sagt er auch selten nein. Hauptsache, man spielt nicht alleine.