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Anspiel-Test: Nutzt Secret World Legends seine zweite Chance?

Anspiel-Test: Nutzt Secret World Legends seine zweite Chance?

Secret World Legends, das Remake des Mystery-MMOs „The Secret World“ macht das alte Spiel zwar nicht komplett neu, ändert aber Einiges und sorgt für mehr Zugänglichkeit. Daher hat sich Jürgen nach vielen Jahren erneut auf das Horror-MMO eingelassen. Passend zum Steam-Launch erscheint unser Anspiel-Test.

The Secret World war für mich damals 2013 ein typisches Funcom-Spiel: Also ein Game, dessen Idee ich echt super fand und wirklich mögen wollte. Aber es leider nicht mögen konnte, da es einfach zu sperrig, verbuggt und unzugänglich war.

Ähnlich wie früher bei Age of Conan, nervte mich TSW irgendwann nur noch und ich suchte mir ein anderes Spiel, dass mir mehr entgegen kam.Secret-World-Legends29

Dabei fand ich die Atmosphäre, das Setting und die Story von The Secret World eigentlich wirklich gut. Nur das Spiel dahinter traf leider nicht meinen Geschmack.

Daher wünschte ich mir oft, dass Funcom TSW damals etwas zugänglicher und dynamischer gemacht hätte. Dann wäre es was mit uns beiden geworden. Und siehe da, Funcom hat tatsächlich meinen Wunsch wahr gemacht und The Secret World so herausgebracht, dass es mir wieder Spaß macht!

The Secret World Legends – Das vielleicht längste Tutorial der Welt!

Dabei fängt das neue Secret World alles andere als gut an. Wer das Original damals gespielt hat, kennt sicher noch die endlos lange Anfangssequenz. Euer Charakter schläft, eine Biene fliegt in seinen Mund und er entwickelt Superkräfte. Irgendwann kommt jemand und nimmt euch mit zu eurer Geheimorganisation.

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Im Tutorial kommt ganz kurz ein Riesen-Boss vor.

Unterwegs dorthin dürft ihr dann diverse Tutorials machen und ewig in London, New York oder Seoul herumirren. Dort gibt’s dann noch mehr Tutorials. Und als wenn das nicht schon genug Tutorials wären, kommt in Secret World Legends noch eines dazu, nämlich noch vor den anderen Einführungen, mitten unter der Intro-Cutscene nach dem Bienen-Verschlucken.

Ich hasse Tutorials und je länger ich mich wie ein Depp belehren lassen muss, wie ich denn nun geradeaus laufe oder die Waffen wechsle, desto weniger Bock habe ich auf das Spiel. Und SWL übertreibt hier so hart.

Ich hatte nach dem ganzen Tutorial-Blödsinn schon keinen Bock mehr und dann fehlte plötzlich der Sound in den Cutscenes.Secret-World-Legends20

Ich musste also außerhalb des Spiels erstmal die Treiber neu laden, super! Daher war ich auch schon drauf und dran, Secret World Legends wieder zu löschen und stattdessen lieber ein paar Runden PlayerUnknown’s Battlegrounds zocken.

The Secret World Legends – Durchhalten lohnt sich

Zum Glück blieb ich stur und wollte zumindest noch mal die erste Region anspielen, bevor das Spiel von der Platte fliegt und grenzenlosem Battle-Royale-Spaß Platz macht. Und was soll ich sagen? Schon nach wenigen Minuten war ich wieder voll drinnen im der „Secret World“.

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Dieser Boss ähnelt stark einem gewissen Ungetüm, das eigentlich schlafen sollte.

Denn sobald man die nervigen Tutorials hinter sich hat, geht es ab nach Neuengland, auf eine abgelegene Insel namens „Solomons Island“.

Dieser Landstrich scheint aus einer Zusammenarbeit von Stephen King und H.P. Lovecraft entstanden zu sein, denn überall wimmelt es von gruseligen und mysteriösen Anspielungen auf Horror-Klassiker.

The Secret World Legends – Das Lovecraft-MMO

Zu Beginn ahnt man davon freilich noch nichts. Vielmehr scheint die Insel Opfer einer 08/15-Zombie-Apokalypse geworden zu sein. Doch bald schon kommt heraus, dass viel mehr hinter dem ganzen Unglück steckt und man taucht tief in die Vergangenheit von Solomons Island ein und lernt die grausige Vergangenheit des Landstrichs kennen.Secret-World-Legends12

So erfahre ich bald, dass der Zombie-Fluch wohl mit einem unheimlichen Nebel zusammenhängt und dass eine Schar gruseliger Meeresmonster den Hafen eingenommen hat. Wer die schauerlichen Geschichten über grausige Kreaturen aus der Tiefe aus den Lovecraft-Werken kennt, wird sofort Parallelen entdecken.

The Secret World Legends – Der Wald macht mir Angst!

Das alles wird noch unterstrichen, wenn man auf die vielen versteckten Details im Spiel achtet. So heißt beispielsweise eine Straße im Städtchen Kingsmouth (das allein ist schon eine Anspielung auf den schaurigen Ort Innsmouth aus dem Lovecraft-Werk), „Lovecraft-Lane“ und eine Bucht nennt sich „Dagon Bay“. Später treffen wir auf einen finsteren Forst, der „Black Goat Woods“ heißt.

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In den “Black Goat Woods” gibt es zum Glück “nur” eklige Insektenmonster!

Allein beim Lesen dieses Namens kommen mir als Kenner des Cthulhu-Mythos kalte Schauer.

Ich war froh, dass in dem Gehölz „nur“ ekelerregende Rieseninsekten hausten und nicht die namensgebende schwarze Ziege mit den Tausend Jungen

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An der Innsmouth-Akademie ist im wahrsten Sinne des Wortes die Hölle los!

Später komme ich in eine Universität, die sich „Innsmouth Academy“ nennt.

In diesem „Anti-Hogwarts“ lernten junge Leute schwarze Magie und da die meisten Lehrer den Zombies zum Opfer fielen, sind allerlei beschworene Übel auf dem Campus unterwegs und durchstreifen die blutverschmierten Korridore. Und von dem extrem verstörenden Grusel-Freizeitpark im Herzen der Insel will ich erst gar nicht anfangen …

The Secret World Legends – Mehr Stimmung geht kaum

Egal, wohin ich gehe, überall kommen weitere schaurige Details ans Licht und bauen so im Einklang mit dem exzellenten Soundtrack eine wirklich enge und extrem immersive Stimmung auf.

Überall gibt es weitere Mysterien zu entdecken, vor allem in den Recherche-Quests. Diese Aufgaben löse ich nicht mit Flinte und Schwert, sondern mit Köpfchen. Und wer immer bei Funcom für das Design dieser Aufgaben verantwortlich war, er könnte auch als Ghostwriter den nächsten Dan-Brown-Roman veröffentlichen.

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Schrullige Charaktere, wie der etwas morbide Schuldirektor der Insmouth-Akademie, findet ihr in SWL andauernd.

Die Rätsel haben es wirklich in sich und erwarten von euch, dass ihr beispielsweise komplexe Zahlenrätsel löst, euer Wissen über musikalische Noten effektiv anwendet oder aufgrund von obskuren Hinweisen Verse aus der Bibel korrekt auf die Spielwelt anwendet.

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Na, kommt ihr auf des Rätsels Lösung?

In einer besonders langwierigen Questreihe verfolgt ihr die Spuren eines Wahnsinnigen Dämonologen, dessen lateinische Wahlsprüche ihr in bizarre Dämonengylphen übertragen müsst.

Immer wieder findet ihr in der Welt des Spiels auch Webseiten, Mail-Adressen und YouTube-Links, die ihr tatsächlich in der realen Welt nachschlagen müsst und so Rätsel löst.

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Manche Quests erfordern Recherche in der “echten” Welt. Wer diese Blog-Adresse eingibt, findet tatsächlich Infos über den NSC Sam Krieg.

Beispielsweise, wenn ihr die Bauanleitung eines Sendemasts anhand der im Spiel gefundenen Seriennummer auf der Homepage der (fiktiven) Herstellerfirma ermittelt. So kommt fast schon das Gefühl auf, das alles wäre gar kein Spiel, sondern irgendwie doch „echt“.

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Andauernd trefft ihr auf gruselige Mythen, wie hier “Jack O’Lantern”.

Es steckt einfach extrem viel Herzblut im Questdesign von Secret World Legends und wenn man erst einmal in der geheimnisvollen „geheimem Welt“ gefangen ist, kann man kaum entrinnen.

The Secret World Legends – Kampfsystem – immer noch nicht gut, aber besser

Gut, all die tollen Quests und die fantastische Stimmung gab es schon damals im Original-TSW. Doch aufgrund des wirklich grausigen Kampfsystems machte das restliche Spiel – zumindest mir – einfach keinen Spaß. Das lag vor allem an dem unnötig komplizierten und sperrigen Kampfsystem. Ich hatte noch nie so wenig Lust, mich auf einen Kampf einzulassen, wie damals in TSW.

Egal, wie ich meine Punkte verteilte, es wurde nie etwas Gescheites draus und jeder Kampf war langweilig und trotzdem oft tödlich. Gerade Solo-Instanzen waren für mich kaum zu schaffen und irgendwann war es mir damals zu blöd und ich wollte nicht mehr weiterspielen.

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Mit dem Sturmgewehr verschießt ihr jetzt auch Granaten.

Mittlerweile bin ich viel weiter im Spiel und habe tatsächlich ein bisschen Freude am Gameplay. Funcom hat das Kampfsystem ordentlich überarbeitet und es insgesamt flüssiger und dynamischer gemacht. Jede Waffe hat jetzt klar erklärte Spezialfähigkeiten. So kann das Sturmgewehr spezielle Granaten verschießen, während meine Schrotflinte als Zweitwaffe zufällig ausgewählte Patronen verballert, die mal den Gegner in Brand setzen und mal mich heilen.

Richtig gut ist das Kampfsystem freilich immer noch nicht. Wer also von TERA oder Black Desert Online verwöhnt ist, wird nach wie vor öfter mal gähnend vor dem Bildschirm sitzen. Aber das neue Kampfsystem von SWL ist schnell und dynamisch genug, um euch ohne Langeweile durch die Instanzen zu bringen. So könnt ihr schnell wieder in neue, ungleich spannendere Quest-Storys eintauchen. Eine klare Verbesserung!

Jürgens Fazit – Das muss man erlebt haben!

Ich war erst extrem skeptisch, ob ich mich nochmal auf The Secret World einlassen sollte. Zu sehr hatte mich die alte Version damals vergrault.

Aber nur wenige Minuten im Spiel entfachten erneut meine Leidenschaft und mittlerweile zocke ich fast täglich SWL, wenn ich nicht gerade dringend andere MMOs für die Arbeit anspielen muss.

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Lateinkentnisse sind nie verkehrt in SWL.

Eine derartige Faszination für ein MMO hat schon lange kein solches Spiel mehr bei mir ausgelöst. Ich hoffe daher, dass sich möglichst viele Spieler wieder auf Secret World Legends einlassen und dem Spiel so doch noch etwas Erfolg bescheren. Verdient hätte es SWL auf jeden Fall! Und da es jetzt kostenlos als Free2Play-Titel spielbar ist, gibt es jetzt wirklich keine Ausrede mehr, sich das Game mal anzusehen!

Hier geht zur Steam-Seite!

Jürgen Stöffel
Jürgen Stöffel begann seine Karriere als Spiele-Redakteur 2013 bei buffed und war danach Freelancer bei Gamestar, Online-Redakteur bei GIGA und dann für einige Zeit freiberuflicher MMORPG-Redakteur bei Gamestar. Als Mein-MMO dann zu Webedia kam, wurde Jürgen von Dawid mit ins Team geholt. Seit April 2017 ist Jürgen bei Mein-MMO fest dabei. Neben Online-Rollenspielen mag er vor allem taktische MMOs wie World of Tanks und MOBAs. Und zu einer Runde Borderlands oder Fortnite im Coop sagt er auch selten nein. Hauptsache, man spielt nicht alleine.
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