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Albion Online im Test: Vollkommene Freiheit oder endloser Grind?

Albion Online im Test: Vollkommene Freiheit oder endloser Grind?

Wir haben Albion Online (PC, Linux, Mac, Android) getestet. Albion Online ist das neue Sandbox-MMORPG der Sandbox Interactive GmbH aus Deutschland. Es will euch die vollkommene Freiheit bieten. Was Euch in dem Spiel erwartet, erfahrt Ihr in unserem Test.

Zu Beginn von Albion Online darf man sich einen eigenen Charakter erstellen. Der Editor ist allerdings ziemlich simpel und schlicht ausgefallen. Das Ebenbild, das wir von uns erstellen möchten, können wir leider nur in wenigen Punkten anpassen: Geschlecht, Haut- und Haarfarbe, Frisur, Unterwäsche und fertig.

Albion Online Charaktereditor

Mit nichts als der Unterwäsche bekleidet beginnt dann das Abenteuer. Wahrscheinlich fragt ihr euch, wie es mit der Klassenauswahl aussieht – die Antwort lautet: es gibt keine. Albion Online verzichtet auf eine typische Klasseneinteilung. Eure Waffe macht euch zu dem, was ihr seid. Ihr könnt als großer Krieger, Landwirt oder sogar als Händler tätig werden. Es ist euch überlassen, welchen Weg ihr gehen wollt.

Der Einstieg: Bau dir, was du sein willst!

Am Anfang könnt ihr ein Tutorial in Form einer Questreihe spielen, bei der ihr alle wichtigen Grundlagen des Spiels erlernt. Dieses Tutorial ist recht gut gelungen, auch wenn es mehr Informationen über die möglichen Aktivitäten im PvE und PvP geben könnte. Im Tutorial wählt ihr eure erste Waffe und eure erste Rüstung, die ihr bauen wollt. Damit werdet ihr zum Magier, Jäger oder Krieger.

Ob Nah- oder Fernkampf, ob Tank oder Heiler – allein die Waffe entscheidet darüber, was ihr seid. Die Wahl der “Klasse” ist selbst für Händler oder Sammler wichtig, da ihr euch in der offenen Welt gegen andere Spieler oder gegen Riesen, Räuber, fiese Wölfe und ähnliches zur Wehr setzen müsst.

Das Herz des Spiels: Das Schicksalsbrett

Das wichtigste Feature von Albion Online ist das sogenannte Schicksalsbrett. Dieses ist euer stetiger Begleiter und gibt euch Wege vor, die ihr bestreiten könnt. Im Prinzip ist es ein Ersatz dafür, dass es keine Quests im Spiel gibt. Das Brett ist sehr groß geraten und kann einen zu Beginn mit seinen Möglichkeiten erschlagen. Wer Path of Exile kennt, wird sich allerdings recht schnell zurechtfinden. Die diversen Wege auf dem Schicksalsbrett zeigen euch, was ihr alles durch verschiedene Aktivitäten erreichen könnt.

Albion Online Schicksalsbrett

So ist es möglich, durch das Sammeln von Rohstoffen besser zu werden und immer wertvollere Rohstoffe sammeln und verarbeiten zu können. Auf dem Brett gibt es Stufen, die jeweils wieder Boni mit sich bringen. Die einzelnen Stufen erreicht ihr, indem ihr für die jeweilige Aktivität Ruhm erhaltet, der einem bestimmten Weg zugeordnet wird. Im Interface von Albion Online werden euch die aktuellen Wege, die ihr durch Aktivitäten verfolgt, rechts angezeigt. In anderen MMOs würdet ihr an dieser Stelle die aktiven Quests finden.

Es ist möglich, alles auf diesem Schicksalsbrett freizuspielen. Aber schon einzelne Wege sind relativ zeitaufwändig und lassen sich nur durch stetiges Wiederholen bestreiten. Wem das Grinden nichts ausmacht, der wird mit dem Schicksalsbrett seine Freude haben.

Kaufen oder Verkaufen – das ist hier die Frage

Wie in MMOs üblich, bietet auch Albion Online eine Art von Auktionshaus an: den Marktplatz. Ihr findet den Marktplatz in jeder Stadt oder den größeren Dörfern. Dort könnt ihr eure gebauten Waffen, Rüstungen, Möbelstücke verkaufen oder fehlende Teile und Rohstoffe einkaufen. Das Auktionshaus ähnelt in seiner Funktionsweise dem aus Guild Wars 2.

Das Auktionshaus von Albion Online

Gegenstände können zum Bieten angeboten oder direkt verkauft werden. Es lassen sich darüber hinaus Kaufaufträge einstellen, wenn ihr etwas wollt, das es nicht gibt, oder wenn ihr einen Gegenstand zu einem bestimmten Preis kaufen wollt.

Das gesamte Wirtschaftssystem von Albion Online wird von den Spielern bestimmt und beeinflusst. Daher lässt es sich aktuell nicht abschätzen, inwieweit es auf Dauer gut funktionieren wird. Positiv ist, dass selbst einfachere Materialien noch im höherstufigen Bereich gebraucht werden und die Berufe untereinander abhängig sind.

Das Gameplay von Albion Online

Albion Online wird in der Iso-Perspektive gespielt und über die Maus gesteuert. Das dürfte euch aus Spielen wie Diablo bekannt sein.

Die Fähigkeiten erhalten wir über die Waffe, bei der wir uns jeweils noch auf einer Position zwischen mehreren Fähigkeiten entscheiden dürfen.

Ihr habt dabei oftmals die Wahl, ob ihr lieber eine AoE- oder eine Einzelziel-Fähigkeit eurer Waffe in der Leiste haben wollt. Selbst über die Rüstung gibt es Fähigkeiten zur Auswahl. Das kann dann mehr “Aggro erzeugen” oder “mehr Schutz gegen Magieschaden” und ähnliches sein. Zudem bestimmt ihr, welche Rolle ihr im Spiel einnehmt. Als Tank wollt ihr, dass ihr über eure Rüstung besonders viel Schaden einstecken könnt.

Beim Kampfsystem setzt Albion Online auf Bewährtes

Die Kämpfe sind einfach gehalten. Es gibt klare Schadens- und Lebensanzeigen, sodass ihr direkt seht, welche Fähigkeiten sich wie auswirken. Fähigkeiten, die der Gegner wirkt und denen ihr ausweichen könnt, werden zudem über eine Art Telegraphen-System dargestellt. Wer WildStar kennt, wird sich sofort zurechtfinden.

Das Endgame: Expeditionen, Dungeons, Weltbosse, PvP und mehr

Auf dem Schicksalsbrett gibt es Wege, die ihr nur durch Aktivitäten im PvE oder PvP bestreiten könnt. Das Töten von Kreaturen, um bessere Rüstungen tragen zu können, ist einer dieser Wege. Besonders einfach kann man diesen zu Beginn durch Expeditionen erfüllen. Die Expeditionen sind instanziert und ihr könnt sie alleine oder in einer Gruppe absolvieren. Für die Gruppe gibt es sogar ein Gruppentool. Allerdings sind die Expeditionen nicht sonderlich schwer zu meistern.

Anmeldung zur Expedition

Darüber hinaus gibt es Dungeons, die als Höllentore bezeichnet werden. Große Gruppen können sich an Weltbosse wagen.

Im PvP warten Kämpfe in der offenen Welt auf euch, wobei diese in bestimmte Zonen eingeteilt ist. Manche Zonen sind frei von PvP, andere können von Gilden im “Gilden vs. Gilden”-Kampf erobert werden. In den eroberten Zonen können Gilden dann ihre eigenen Siedlungen hochziehen.

Ohne hochstufige Ausrüstung und ohne Gilde oder eine feste Gruppe ist man allerdings zum Sterben verdammt. Zu Anfang ist es noch gut möglich, die Aktivitäten in Albion Online alleine zu bestreiten, aber je weiter ihr im Schicksalsbrett vorankommt, desto mehr seid ihr auf eine Gilde angewiesen.

Wer stirbt, der verliert alles

Sterben ist in Albion Online besonders interessant. Ihr habt die Wahl, ob ihr eine Wiederbelebungszeit von bis zu drei Minuten im PvP oder bis zu 30 Sekunden im PvE abwartet oder ob ihr aufgebt und sterben wollt. Beim Wiederbeleben verliert die Ausrüstung an Haltbarkeit und muss repariert werden. Falls ihr in einer Gruppe von Feinden feststeckt, kann es somit sein, dass ihr irgendwann keine andere Wahl habt, als direkt zu sterben.

Beim Sterben werdet ihr zügig an anderer Stelle wiederbelebt, verliert allerdings alles, was ihr in dem Moment mit euch getragen habt. Somit müsst ihr mit Pech in Unterwäsche bekleidet zur Leiche zurücklaufen und dort alles wieder aufheben, sofern es noch kein anderer Spieler erbeutet hat.Der Tod ist nicht das Ende, aber er ist teuer

Eine eigene Insel – Housing in Albion Online

Der Traum vom Eigenheim spielt in Albion Online eine große Rolle. Ihr könnt in jeder Stadt ein Grundstück erwerben und darauf ein Gebäude eurer Wahl platzieren. Bei den Gebäuden habt ihr zum Beispiel die Wahl zwischen einem Haus und einer Schmiede. Das Problem ist allerdings wie im echten Leben: Es herrscht ein Mangel an Wohnraum. Es gibt schlicht nicht genügend Grundstücke. Darum könnt ihr alle 30 Tage in Auktionen auf die Grundstücke bieten und diese mit eurem schwer verdienten Silber kaufen. Wem das zu aufwändig ist, der kann sich eine eigene Insel kaufen.

Ein Haus baut sich nicht von allein

Für den Kauf muss man mindestens einmal den Premium-Status im Spiel gehabt haben. Erst dann seid ihr berechtigt, eine Insel zu kaufen. Die ersten zwei Ausbaustufen der Insel sind noch relativ günstig, die weiteren werden dann teuer.

Allerdings reichen die ersten beiden Stufen, um sich Gebäude wie eine Schmiede, eine Werkbank, ein Haus und ähnliches zu bauen. Diese Gebäude werden nicht einfach per Silber gekauft und hingestellt, sondern müssen wirklich gebaut werden. Jedes braucht andere Materialien, die ihr beschaffen müsst. In eurem Haus könnt ihr Möbel platzieren, wodurch eure NPC-Arbeiter, die zum Beispiel in der Schmiede für euch arbeiten, Boni wie eine höhere Zufriedenheit erhalten.

Der Premium-Status

Albion Online ist ein Buy2Play-Spiel. Das günstigste Paket kostet euch rund 25 Euro, das teuerste 100 Euro. Nach dem einmaligen Kauf kann das Spiel allerdings ohne weitere Gebühren gespielt werden. Optional könnt ihr den Premium-Status erwerben. Dies ist ein klassisches Abo und somit fallen monatliche Gebühren an. Negativ ist hier allerdings, dass die Boni so gut sind, dass sie einen echten und großen Vorteil im Spiel bieten.

Man bewegt sich als Abonnent deutlich schneller über das Schicksalsbrett, erhält grundsätzlich mehr Rohstoffe und hat eine höhere Chance auf bessere Qualität bei der Herstellung von Ausrüstung. Damit es nicht zu einem Pay2Win wird, hat der Entwickler die Möglichkeit eingebaut, das Abo über im Spiel verdientes Silber zu finanzieren. Der Aufwand für das Abo fällt hierbei dennoch hoch aus.

Der Premium-Status von Albion Online

Mit eurem echten Geld könnt ihr neben dem Abo auch Spielgold kaufen. Dieses könnt ihr gegen Spielsilber eintauschen und euch somit kaufen, was ihr wollt. Glücklicherweise gibt es für das Tragen von Ausrüstung bestimmte Voraussetzungen, sodass ein frischer Charakter nicht extrem aufgewertet werden kann. Zudem ist der Wechselkurs zwischen Gold und Silber, wie zum Beispiel bei Guild Wars 2, stetig im Wandel.

Albion Online – Fazit

Albion Online ist ein gutes Sandbox-MMORPG geworden. Wer es liebt, sich seine Beschäftigung und seine Wege selbst auszusuchen, der wird bei Albion Online seinen Spaß finden. Der Grafikstil ist ansprechend und die Atmosphäre hat mir gefallen. Wenngleich es mehr stimmungsvolle Musik hätte geben können. Allgemein ist der gesamte Sound des Spiels verbesserungswürdig.

Im PvE gibt es viele Möglichkeiten, um seinen Charakter zu entwickeln. Das PvP-System hätte allerdings noch besser ausgearbeitet werden können. Gerade für Einsteiger ist es einfach zu frustrierend und im Allgemeinen zu unübersichtlich.

Albion Online Guide: 7 Einsteigertipps, um ins neue MMORPG zu finden

Das Schicksalsbrett ist eine interessante Art der Charakterentwicklung, die durchaus motivierend ist und das fehlende Levelsystem gut ersetzt. Wer Albion Online spielt, muss sich dennoch bewusst sein, dass er für seinen Fortschritt einiges an Grind über sich ergehen lassen muss.

Das Spiel lässt euch viele Freiheiten, was wirklich sehr gut ist und zum Sandbox-MMORPG einfach passt. An Beschäftigungen mangelt es dank Features wie Expeditionen, Dungeons, Weltbossen, Housing und PvP nicht. Einzeln sind diese allerdings allesamt etwas oberflächlich. Selbst beim Handwerk, das noch mit die meiste Tiefe bietet, wären noch mehr Abhängigkeiten und Verzweigungen möglich gewesen.

Wer sich vom Grind und dem Premium-Status nicht abschrecken lässt, bekommt ein gutes Sandbox-MMORPG, in dem man seinen Charakter frei entwickeln kann und dennoch dank dem Schicksalsbrett mehrere Ziele stets vor Augen hat.


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